Psychohistorische Studien

Die Psychohistorie, in den USA seit langem im akademischen Rahmen verankert, steht derzeit auch in Deutschland vor dem Durchbruch zur Anerkennung als historiographische Disziplin. Psychohistorie trägt der Tatsache Rechnung, dass der Mensch nicht nur eine biologische und soziale, sondern auch eine psychologische Dimension besitzt und dass den psychischen Dispositionen für das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen im sozialen Zusammenhang erhebliche Bedeutung zukommt. Psycho-Historie bedeutet, dass der Historiker zur Deutung menschlichen Verhaltens in der Geschichte auf die Hilfe psychologischer Methoden und Theorien zurückgreift. Dabei bieten sich verschiedene Theorien an, wo es jedoch um die Erklärung scheinbar widersprüchlicher oder unverständlicher Handlunsgweisen, Gefühle und Reaktionen geht, wo also unbewusste Strukturen vermutet werden können, besteht eine gewisse Affinität der Psychohistorie zur Psychoanalyse.

Obwohl die Psychoanalyse bei ihren Kritikern im Verdacht steht, eine Individualpsychologie in Bezug auf den einzelnen, noch dazu psychisch kranken Menschen zu sein, hat sie sich doch längst zu einer kulturkritischen Methode entwickelt, die im Rahmen einer um die Psychohistorie erweiterten Sozialgeschichte die kollektiven Prägungen einer Gruppe oder Gesellschaft verständlich machen kann. Damit ist die enge Beziehung der Psychohistorie zur Mentalitätsgeschichte angedeutet, auch wenn beide Disziplinen deshalb nicht unbedingt deckungsgleich sind.


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